Kälte ist relativ. Nicht nur im Winter. Da aber spüre ich die Relativität besonders; im Gesicht und am Kinn. Am Kinn? Ja, genau da.

Die Outdorfraktion schreit bei Kälte ja oft: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung.“ Einer der Sprüche, die ich am wenigsten abkann. Es gibt schlechtes Wetter, meine ich. Sturm, Gewitter, Hagel (wem schon einmal Hagelkörner um und an die Ohren flogen, der weiß, wovon ich spreche). Oder Regen mit fiesen Sturmböen zum Beispiel. Das ist nicht nur beim Laufen unangenehm. Da hilft auch keine Regenkleidung, wenn der Wind den Regen ins Gesicht peitscht und jeden Schritt ausbremst als liefe man vor einer Turbine.

Für die kalten Tage jetzt im Winter bin ich natürlich auch Laufbekleidungstechnisch bestens gerüstet: Mütze, Jacke, Halstuch, Handschuhe, Thermohose. Nach zwei, drei Kilometern laufen habe ich meist meine Betriebstemperatur erreicht und mir ist angenehm warm. Auch bei Minusgraden, fast überall. Meine Schwachstellen jedoch: Gesicht und Kinn. Was dort ein, zwei Grad bzw. ein Ortswechsel (tiefer Süden in den hohen Norden) jedoch ausmachen können, habe ich gestern wieder erlebt. Bei frostigen -2 Grad lief ich meine Runde und war mein Kinn vorgestern  kalt (im Süden), so waren gestern im Norden mein Gesicht Kälter und mein Kinn am kältesten.

Das Halstuch rutschte immer wieder runter, der Kragen meiner Jacke war zu niedrig. Während mein Körper also prima mit den Minusgraden zurechtkam und mir mollerig warm war, hatte ich nach einigen Kilometern das Gefühl, mein Gesicht und mein Kinn seien von einer dicken Eisschicht belegt. Unangenehm schmerzhaft.

Beim Fahrradfahren oder beim Spazierengehen bei Minusgraden dagegen friere ich hier:  Beim Radeln an den Oberschenkeln, beim Spazierengehen am ganzen Körper. Beim Laufen aber ist es vor allem mein Kinn. Da spüre ich jede kleine Temperaturveränderung, da spüre ich kalt-kälter-am kältesten. Kleidung hilft da wenig. Eher Creme. Oder eine „Sturmhaube“. Das Bild – ich laufe mit Sturmhaube – muss ich allerdings erst ein wenig wirken lassen…

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